Proximale Humerusfrakturen: Ätiologie, Klassifikation, Therapie, Rehabilitation
Proximale Humerusfrakturen. Klassifikation, Ätiologie und Verletzungsmechanismen. Erfahren Sie mehr über Diagnoseverfahren, Behandlung und Rehabilitation.
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Frakturen der Halswirbelsäule stellen ernste Verletzungen dar, die eine sorgfältige Diagnostik und Therapie erfordern. Eine maßgebliche Rolle spielen Frakturen der oberen HWS: des ersten (С1, Atlas) und zweiten (С2, Axis) Halswirbels, da diese die Beweglichkeit des Kopfes gewährleisten und unmittelbar neben dem Hirnstamm und dem Rückenmark liegen.
Der 1. Halswirbel (auch C1, Atlas und Vertebra cervicalis I genannt) ist der Wirbel, der für die Unterstützung des Schädels und die Bewegungen des Kopfes sorgt. Bei einer Atlasfraktur wird die Integrität der ringförmigen Struktur des Wirbels gestört. Frakturen des 1. Halswirbels sind von großer klinischer Bedeutung, da sie in der Nähe des Rückenmarks und des Hirnstamms liegen und ein Risiko für neurologische Ausfälle oder lebensbedrohliche Instabilität darstellen.
C1-Frakturen treten hauptsächlich als Folge von Traumata auf.
Der klassische Mechanismus ist die axiale Krafteinwirkung, bei der der Schädel zusammengedrückt und die Kraft über ihn auf den Atlas (C1) übertragen wird, wodurch dieser verletzt wird. Eine Hyperextension (Überstreckung) oder Hyperflexion (übermäßige Beugung) kann den Schweregrad der Fraktur verschlimmern.
Atlasfrakturen machen 2–13 % der HWS-Verletzungen und 1–3 % der Verletzungen des Rückenmarks aus. Sie betreffen vor allem Männer (75 % der Fälle) im Alter von 20–40 Jahren aufgrund von risikoreichen Tätigkeiten. Der sekundäre Häufigkeitsgipfel liegt bei älteren Menschen (> 65 Jahre) mit Osteoporose.
Die Sterblichkeitsrate ist gering (4–10 %), aber Begleitverletzungen (z. B. Frakturen des 2. Halswirbels) führen in 30–50 % der Fälle zu Komplikationen.
Die Gehweiler-Klassifikation umfasst fünf Typen von Atlasfrakturen und beruht auf der Beteiligung anatomischer Strukturen. In diese Klassifikation ist auch die Dickman-Klassifikation von Verletzungen des Ligamentum transversum atlantis (Querband des Atlas) integriert.
Gehweiler-Klassifikation mit Dickman-Modifikation
| Typ | Beschreibung | Inzidenz |
|---|---|---|
| Typ 1 | Fraktur des Arcus anterior atlantis (vorderer Atlasbogen) | 24% |
| Typ 2 | Fraktur des Arcus posterior atlantis (hinterer Atlasbogen) | 22% |
| Typ 3 | Kombinierte Fraktur des vorderen und hinteren Atlasbogens (Jefferson-Fraktur bzw. Berstungsfraktur des Atlas) | 34% |
| Subtyp 3а | Ligamentum transversum atlantis (Querband des Atlas) intakt | – |
| Subtyp 3b (Typ 1 nach Dickman) | Verletzung des Ligamentum transversum atlantis | – |
| Subtyp 3b (Typ 2 nach Dickman) | Avulsionsfraktur am Bandansatz bei intaktem Band | – |
| Typ 4 | Fraktur der Massa lateralis atlantis (seitliche Verdickung des Atlas) | 19% |
| Typ 5 | Isolierte Fraktur des Processus transversus atlantis (Querfortsatz des Atlas) | 1% |
Außerdem gibt es die Landells-Klassifikation, die im Prinzip der Gehweiler-Klassifikation ähnelt und 3 Typen von Frakturen unterscheidet:
3D-Modelle der Atlasfrakturen:
Die Bandbreite der Symptome reicht von leicht bis schwer.
Die Diagnostik basiert auf der klinischen Untersuchung und den radiologischen Untersuchungsmethoden.
Die wichtigsten Symptome bei Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule im Allgemeinen sind Nackenschmerzen und eine Bewegungseinschränkung. Bei der neurologischen Untersuchung werden sensomotorische Defizite festgestellt. Bei isolierten Atlasverletzungen sind neurologische Ausfälle unwahrscheinlicher, aber bei einer assoziierten Axisfraktur steigt das Risiko neurologischer Komplikationen erheblich.
Bei der Diagnose von Atlasverletzungen sollten mögliche Fehlbildungen beachtet werden. Eine Spaltbildung („Split atlas”) ist eine seltene angeborene Fehlbildung, bei der der Atlas aufgrund von Verschmelzungsfehlern sowohl des vorderen als auch des hinteren Bogens in zwei Hälften geteilt ist. Die Knochendefekte sind mit Bindegewebe überzogen. Der Spalt des Arcus anterior befindet sich in der Regel auf der Mittellinie und ist kleiner als der Defekt des Arcus posterior, der ebenfalls auf der Mittellinie liegt. „Split atlas” verläuft symptomatisch und ist häufig ein Zufallsbefund bei der radiologischen Diagnostik.
Anzeigen: stabile Frakturen (intaktes Ligamentum transversum atlantis, ohne Dislokation)
Verfahren:
Anzeigen: Instabilität des Segments (Riss des Ligamentum transversum atlantis, Dislokation von mehr als 7 mm), neurologische Störungen, fehlende Wirkung konservativer Maßnahmen. Die Behandlung zielt darauf ab, eine Schädigung des Rückenmarks zu verhindern und die Wirbelsäulenachse wiederherzustellen.
Verfahren:
Der 2. Halswirbel (auch C2, Axis und Vertebra cervicalis II genannt) spielt eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung des Schädels, der Erleichterung der Kopfdrehung und dem Schutz des oberen Rückenmarks. Frakturen in diesem Bereich können von leichten, nicht dislozierten Rissen bis zu schweren, instabilen Verletzungen reichen, die das Rückenmark und lebenswichtige Funktionen beeinträchtigen.
Axisfrakturen können durch verschiedene traumatische Ursachen entstehen:
Der Axis ist aufgrund seines besonderen anatomischen Aufbaus anfällig für einzigartige Verletzungsmuster und Frakturformen:
Sie betreffen vor allem Männer im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten und gefährlichen Berufstätigkeiten (Baugewerbe usw.).
Es existieren mehrere Klassifikationen von Axisfrakturen. Historisch gesehen basieren die wichtigsten Klassifizierungen auf der anatomischen Region der Verletzung. So klassifizierte Schatzker Frakturen anhand ihres Verhältnisses zu den akzessorischen Bändern.
Am häufigsten werden Densfrakturen nach Lokalisation klassifiziert.
Klassifikation nach Anderson and D’Alonzo mit Handley-Modifikation*
| Typ | Beschreibung | Beschreibung |
|---|---|---|
| Typ 1 | Schrägfraktur der Densspitze (im Grunde eine Avulsionsfraktur des Ligamentum alare) | Seltene, stabile Fraktur (eine atlantookzipitale Instabilität muss jedoch durch funktionelle Röntgenaufnahmen in Flexion und Extension ausgeschlossen werden) |
| Typ 2 Typ 2а |
Fraktur im Bereich des Denshalses und der -basis | Der häufigste und potenziell instabile Frakturtyp. Die hohe Rate der Nichtheilung der Fraktur ist auf die durch die Fraktur beeinträchtigte lokale Durchblutung zurückzuführen |
| Typ 3 | Fraktur durch das Corpus des C2, meist mit Beteiligung der Gelenkfläche der Articulatio atlantoaxialis | Heilt besser, als Typ 2 |
* Die Hadley-Subklassifikation unterscheidet einen Subtyp bei Trümmerfrakturen vom Typ 2. Beim Typ 2a besteht bei konservativer Behandlung der Fraktur ein deutlich erhöhtes Risiko einer Nichtheilung. Dies tritt bei 5–10 % aller Typ-2-Frakturen auf.
3D-Modelle der Dens-axis-Frakturen (des 2. Halswirbels):
Außerdem gibt es die Grauer-Klassifikation für Dens-axis-Frakturen Typ 2 nach Anderson u. D’Alonzo (Subtypen A, B, C), die auf der Form und Richtung der Frakturlinie beruht und die geeignete Behandlungstaktik bestimmt.
Die Roy-Camille-Klassifikation beschreibt hingegen nur die Richtung der Dislokation von Knochenfragmenten und den Verlauf der Frakturlinie.
Außerdem wurde eine embryologische Klassifikation von Densfrakturen anhand der embryologischen Verwachsungspunkte entwickelt. Bei Typ 1 ist der obere Viertel des Dens betroffen, bei Typ 2 die unteren drei Viertel.
Die Klassifikation von Levine und Edwards wurde für Frakturen der Pars interarticularis des Axis (sogenannte traumatische Spondylolisthese bzw. Henkerfraktur) entwickelt und basiert auf dem Verletzungsmechanismus.
Klassifikation von Levine und Edwards
| Typ | Mechanismus | Beschreibung | Behandlung |
|---|---|---|---|
| Typ 1 | Axiale Kompression und Hyperextension (Überstreckung) | Horizontale Dislokation der Fragmente 3 mm, ohne Angulation, Bandscheibe C2/C3 intakt Gehört zu stabilen Frakturen | Konservativ (starre Halskrause für 4–6 Wochen) |
| Typ 2 | Hyperextension und axiale Belastung, gefolgt von Flexion | Horizontale Dislokation der Fragmente von > 3 mm, Angulation bis 10°, vertikale Frakturlinie, Bandscheibe C2/C3 rupturiert, Ligamentum longitudinale posterius (hinteres Längsband der Wirbelsäule) rupturiert. Gehört zu instabilen Frakturen | Bei einer Dislokation von weniger als 5 mm: Reposition mit Extension, dann Ruhigstellung in einem Halofixateur (6–12 Wochen) Bei einer Dislokation von mehr als 5 mm: chirurgische Behandlung |
| Typ 2а | Flexion (Beugung) und Distraktion (Streckung) | Keine horizontale Dislokation der Fragmente, deutliche Angulation (> 11°) der Fragmente, horizontale Frakturlinie | Traktionsbehandlung kontraindiziert Reposition durch leichte axiale Belastung und Hyperextension (Überstreckung), gefolgt von Ruhigstellung in einem Halofixateur (6–12 Wochen) |
| Typ 3 | Flexion und Extension, gefolgt von Hyperextension | Fraktur vom Typ I mit begleitender beidseitiger Luxation im Facettengelenk C2/C3 | Chirurgische Behandlung |
Die Diagnostik basiert auf der klinischen Untersuchung und den radiologischen Untersuchungsmethoden.
Anzeigen: bei nicht dislozierten Frakturen, sofern keine Anzeichen von Rückenmarkskompression und keine zunehmende neurologische Symptome bestehen. Auch bei Patienten, die aus verschiedenen Gründen nicht operiert werden dürfen.
Verfahren:
Viele Frakturen des 2. Halswirbels können konservativ behandelt werden, insbesondere wenn sie stabil sind und keine neurologischen Ausfälle verursachen. Die meisten Patienten erholen sich bei angemessener Ruhigstellung: Mit einer externen Orthese oder einem Halofixateur lässt sich bei Frakturen vom Typ 1 eine 100-prozentige Heilung und bei Frakturen vom Typ 3 eine Heilung in 85 bis 100 Prozent der Fälle erreichen. Bei Frakturen vom Typ 2 erreicht die Frakturheilung 57 %, jedoch ist dieser Wert bei Patienten der älteren Altersgruppe deutlich geringer.
Anzeigen: Instabilität, Dislokation, Nichtheilung, neurologische Defizite, multiple Traumata
Verfahren:
Ein chirurgischer Eingriff führt häufig zu einer guten Stabilisierung und zu guten neurologischen Ergebnissen, ist jedoch mit operativen Risiken und einer längeren Rehabilitation verbunden.
Die wichtigsten Prognosefaktoren bei Frakturen des ersten und zweiten Halswirbels sind Integrität des Bandapparats, Dislokation und Angulation der Fraktur, Zeitpunkt und Wirksamkeit der Frakturstabilisierung sowie Qualität des Knochengewebes des Patienten. Eine wesentliche Rolle bei der Prognose des Behandlungsergebnisses spielen systematische und gezielte Rehabilitationsmaßnahmen.
Die Rehabilitation ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Je nach Stabilität der Fraktur wird sie in verschiedene Phasen unterteilt.
Wenn während der Rehabilitation neue neurologische Störungen auftreten oder bestehende Symptomatik zunimmt, die Körpertemperatur über den physiologischen Wert steigt oder Atembeschwerden bzw. Schluckbeschwerden hinzukommen, sollten sofort medizinische Maßnahmen eingeleitet werden.
Stabile Frakturen (konservative Behandlung):
Bei negativen oder erneuten neurologischen Symptomen sowie bei einer verlangsamten Konsolidierung der Fraktur legt der behandelnde Arzt die Dauer jeder Phase fest.
Instabile Frakturen (postoperativ):
Rehabilitationsprotokoll bei stabilen Frakturen
| Phase | Vorsichtsmaßnahmen | Protokoll |
|---|---|---|
| Ruhigstellung (0–6/8 Wochen) | Ruhigstellung durch die Orthese/Halofixateur | Atemgymnastik, aktive Übungen für Extremitäten Mobilisierung im Bett Allmähliche Vertikalisierung je nach Patientenzustand |
| Mobilisierung (6-12 Wochen) | Allmählicher Verzicht auf die Halskrause | Bewegung der HWS im schmerzfreien Umfang Stärkung der Nacken- und der oberen Brustmuskulatur Gleichgewichts- und propriozeptives Training |
| Funktionelle Wiederherstellung (12+ Wochen) | Vermeiden hochintensiver Belastungen bis zur vollständigen Konsolidierung der Fraktur | Steigerung des Bewegungsumfangs im betroffenen Segment Rückkehr zu alltäglicher Aktivität und Arbeit, Einüben spezifischer Bewegungen |
Rehabilitationsprotokoll bei instabilen operationsbedürftigen Axisfrakturen
| Phase | Vorsichtsmaßnahmen | Protokoll |
|---|---|---|
| Frühe postoperative Phase (0–6 Wochen) | Immobilisierung des operierten Segments, wodurch jegliche Bewegungen ausgeschlossen werden | Atemgymnastik. Aktive Übungen für Extremitäten Mobilisierung im Bett Allmähliche Vertikalisierung je nach Patientenzustand |
| Frühmobilisierung (6-12 Wochen) | Beendigung der Immobilisierung, wenn durch Röntgenaufnahmen bestätigt wird, dass die Fraktur heilt | Stärkung paraspinaler Muskeln und der Extremitätenmuskulatur Erhöhung der Bewegungsamplitude, sofern der Fixateur dies erlaubt Übungen zur Wiederherstellung des Gleichgewichts und der Körperhaltung |
| Funktionelle Wiederherstellung (12+ Wochen) | Einschränkung des Bewegungsumfangs und der Belastung je nach der Variante der Frakturheilung | Zunehmende Stärkung der Nacken- und der oberen Brustmuskulatur Aerobe Übungen Rückkehr zu den Aktivitäten des täglichen Lebens Rückkehr zur Arbeit |
Je nach Art des chirurgischen Eingriffs kann die eingesetzte Fixierung die Bewegungen im operierten Segment einschränken. Eine Dens-axis-Verschraubung ermöglicht eine Rotationsfähigkeit des operierten Segments. Im Gegenzug bewirkt die dorsale Spondylodese C1/C2 einen Verlust der Rotation. Okzipitozervikale Spondylodese führt zu erheblichen Bewegungseinschränkungen im operierten Segment.
1. Was ist eine Jefferson-Fraktur?
2. Wie gefährlich sind Halswirbelfrakturen und können sie tödlich sein?
3. Was ist ein Halofixateur?
4. Kann ein Genickbruch unbemerkt bleiben?
5. Welche Folgen kann eine Axisfraktur haben?
6. Ist bei einer Dens-Axis-Fraktur eine Operation obligat?
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Verfügbar unter: https://catalog.voka.io/
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