Proximale Humerusfrakturen: Ätiologie, Klassifikation, Therapie, Rehabilitation
Proximale Humerusfrakturen. Klassifikation, Ätiologie und Verletzungsmechanismen. Erfahren Sie mehr über Diagnoseverfahren, Behandlung und Rehabilitation.
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Das Kreuzbein (Os sacrum) ist ein dreieckiger Knochen, der aus fünf miteinander verschmolzenen Wirbeln besteht und zwischen den beiden Hüftbeinen liegt. Mit seinem oberen Teil ist es mit dem 5. Lendenwirbel und mit seinem unteren Teil mit dem Steißbein (Os coccygis) verbunden.
Kreuzbeinfrakturen (auch Sakrumfrakturen genannt) können von einfachen, stabilen Verletzungen bis hin zu komplizierten, instabilen und potenziell neurologisch gefährlichen Frakturen reichen (die Häufigkeit neurologischer Komplikationen liegt bei 25 %).
Kreuzbeinfrakturen haben verschiedene Ursachen, darunter auch nicht traumatische:
Man unterscheidet zwei grundlegende Verletzungsmechanismen:
Kreuzbeinfrakturen sind häufig mit Beckenringverletzungen verbunden und können mit Frakturen der Lendenwirbelsäule oder der Hüftgelenkpfanne kombiniert sein.
Sakrumfrakturen kommen meist als Teil von Beckenringverletzungen vor (in 30–45 % der Fälle). Häufig treten Kreuzbeinfrakturen bei zwei heterogenen Gruppen von Patienten auf:
Man unterscheidet mehrere Einteilungssysteme, aber das am weitesten verbreitete ist die Denis-Klassifikation, die auf der anatomischen Lage der Fraktur in Bezug auf die Neuroforamina des Kreuzbeins beruht.
Diese Klassifikation unterteilt die Kreuzbeinfrakturen in drei anatomische Zonen, wobei jede dieser Zonen ihre eigenen Risiken und Besonderheiten aufweist.
Anatomische Klassifikation von Kreuzbeinfrakturen nach Denis
| Zone | Lage |
|---|---|
| Zone 1 | Die Fraktur liegt lateral der Neuroforamina und tritt bei 50 % aller Kreuzbeinverletzungen auf; neurologische Komplikationen entstehen in 5 % der Fälle, meist durch Schädigung der L5-Nervenwurzel |
| Zone 2 | Die Fraktur verläuft durch die Neuroforamina; dieser Bruchtyp kann stabil und instabil sein; dislozierte Frakturen sind in der Regel instabil; instabile Frakturen haben ein potenziell hohes Risiko einer Nichtheilung und können als Folge zu einem schlechten funktionellen Ergebnis führen |
| Zone 3 | Die Fraktur verläuft medial der Neuroforamina (Zentralkanal); neurologische Komplikationen treten in 60 % der Fälle auf; oft von Verletzungen des Darms und der Harnblase begleitet |
3D-Modelle von Kreuzbeinfrakturen:
Zone-3-Frakturen können sowohl in Längs- als auch in Querrichtung auftreten. Zone-3-Frakturen lassen sich wiederum in 4 Typen unterteilen:


Für Zone-3-Frakturen gibt es auch eine morphologische Einteilung, die auf der Form der Bruchlinien basiert:
Somit ist eine U-förmige Fraktur, die durch axiale Krafteinwirkung auf das Kreuzbein entsteht und zu einer spinopelvinen Dissoziation mit Begleitverletzungen der neurologischen Strukturen führt, gemäß der Denis-Klassifikation eine Zone-3-Fraktur vom Typ 4.


Bei Frakturen, die den lumbosakralen Übergang betreffen, kommt die Isler-Klassifikation zum Einsatz. Gemäß dieser Klassifikation werden drei Frakturtypen unterschieden:
Somit kann die Isler-Klassifikation zur detaillierten Beschreibung von Zone-2-Frakturen (Denis-Klassifikation) verwendet werden.
Die Diagnostik von Kreuzbeinfrakturen basiert auf der klinischen Untersuchung und den radiologischen Untersuchungsmethoden.
Typisches Erscheinungsbild bei Kreuzbeinfrakturen:
Technik der konservativen Behandlung einer Kreuzbeinfraktur:
Indikationen für eine konservative Behandlung:
Die meisten stabilen Niedrigenergiefrakturen lassen sich mit konservativer Behandlung gut heilen.
Technik der chirurgischen Behandlung einer Kreuzbeinfraktur:
Indikationen für eine chirurgische Behandlung:
Eine rechtzeitige chirurgische Behandlung zielt darauf ab, das Becken zu stabilisieren, die neurologische Kompression zu beseitigen und eine frühe aktive Rehabilitation zu ermöglichen.
Die Prognose nach einer Sakrumfraktur ist multifaktoriell und hängt in erster Linie vom anatomischen Frakturtyp und der gewählten Behandlungsstrategie ab.
Die konservative Behandlung einer Kreuzbeinfraktur ist generell sehr gut für Frakturen des ersten Typs sowie für einige Frakturen des zweiten Typs geeignet. Langzeitkomplikationen treten selten auf, jedoch kann es bei einigen Patienten zu chronischen Schmerzen kommen.
Eine chirurgische Behandlung ermöglicht es, die Stabilität der Fraktur zu erreichen und das Risiko einer Nichtheilung der Knochenfragmente zu verringern. Bei der operativen Behandlung bestehen allerdings auch Risiken wie Infektionen, Brüche oder Verschiebung der Metallkonstruktionen. Infektionen im Bereich des chirurgischen Eingriffs und Verschiebungen der Metallkonstruktionen erhöhen wiederum das Risiko einer Nichtheilung der Fraktur erheblich. Die Behandlung von Zone-3-Frakturen erfolgt in der Regel operativ. Eine frühzeitige Dekompression kann bei neurologischen Symptomen zu besseren Ergebnissen führen. Allerdings treten häufig anhaltende neurologische Störungen auf.
Bei Zone-1-Frakturen kehren die meisten Patienten mit guten Ergebnissen zu ihrem ursprünglichen Aktivitätsniveau zurück. Bei Zone-2-Frakturen können langfristig Sensibilitäts- und motorische Funktionsstörungen in den unteren Extremitäten auftreten. Viele Patienten können jedoch nach einem strukturierten Rehabilitationsprogramm wieder vollständig zu den Aktivitäten des täglichen Lebens zurückkehren. Bei Zone-3-Frakturen können bei 60 % der Patienten anhaltende neurologische Störungen entstehen, die in der Regel mit der Beeinträchtigung der Darm-, Blasen- oder Sexualfunktion zusammenhängen.
Stoffwechselstörungen des Knochengewebes, wie Osteoporose, sind aufgrund des Risikos einer verlangsamten und unvollständigen Frakturheilung ein prognostisch ungünstiger Faktor. Begleitverletzungen der Knochen- und Weichteilstrukturen beeinträchtigen ebenfalls die Prognose des Verletzungsausgangs. Ein frühzeitiger chirurgischer Eingriff bei Vorliegen eines neurologischen Ausfalls ist ausschlaggebend für das Erreichen optimaler Behandlungsergebnisse.
Zusammenfassende Daten zum Rehabilitationspotential und zur Prognose nach einer Kreuzbeinfraktur unterschiedlicher Lokalisation
| Frakturtyp | Neurologisches Risiko | Rehabilitationspotential | Prognose |
|---|---|---|---|
| Zone 1 | Gering | Insgesamt gut | Die meisten Patienten erholen sich bei konservativer Behandlung vollständig |
| Zone 2 | Mäßig | Gut, wenn die Nerven erhalten bleiben oder dekomprimiert werden | Die Prognosen variieren; bei einigen Patienten kann es zu einem Nervenausfall kommen |
| Zone 3 | Hoch | Variabel: höheres Risiko für chronische Schmerzen/Behinderung | Vorsichtige Prognose; es kann zu Störungen der Darm-, Blasen- oder Sexualfunktion kommen |
Die Rehabilitation nach einer Kreuzbeinfraktur ist höchst individuell. So beeinflussen Faktoren wie Typ und Schweregrad der Fraktur, neurologische Störungen, chirurgische Eingriffe und patientenspezifische Faktoren (Alter, Komorbiditäten) das Tempo und den Fokus der Rehabilitation.
Rehabilitationsmaßnahmen zielen darauf ab, die Fraktur zu heilen, die Mobilität wiederherzustellen, Komplikationen vorzubeugen sowie neurologische Störungen, sofern vorhanden, zu beseitigen und zu behandeln.
Zusammenfassende Daten zu den Phasen der Rehabilitation nach einer Kreuzbeinfraktur
| Phase | Hauptziele | Protokoll |
|---|---|---|
| Akut (0–2 Wochen nach der Verletzung oder Operation) | Schmerz- und Ödemkontrolle, Vorbeugung von Komplikationen | Sanfte Bewegungen in nicht betroffenen Gelenken; Atemgymnastik |
| Subakut (2–6 Wochen) | Beginn der Mobilisierung, Aufrechterhaltung des Bewegungsumfangs in den Gelenken der Extremitäten, Aufrechterhaltung des Muskeltonus | Isometrische Übungen; Aufrichtung unter Schmerzkontrolle; Gehtraining mit Gehhilfen |
| Wiederherstellung (6–12 Wochen) | Wiederherstellung von Ausdauer und Muskelkraft, Steigerung der Belastbarkeit | Progressive Belastung mit Gewichten; Propriozeptions- und Gleichgewichtstraining Gangtraining |
| Funktionell (3–6+ Monate) | Rückkehr zur Arbeit, zum Sport und zu den Aktivitäten des täglichen Lebens | Übungen zur Förderung der Mobilität; funktionelles und spezifisches Training für Sport und Arbeit |
Die Rehabilitation nach stabilen Kreuzbeinfrakturen, die konservativ behandelt werden, besteht in einer strengen Belastungsbeschränkung der Extremitäten bis zu 2 Wochen nach der Verletzung. Ab der zweiten Woche ist das Hinsetzen im Bett unter Schmerzkontrolle zulässig. Nach 3–4 Wochen ist die Aufrichtung mit Gehhilfen zulässig.
Körperliche Übungen zielen auf die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Muskelkraft der unteren Extremitäten und des Rumpfes ab. Übungen mit hoher Belastung der unteren Extremitäten sollten vermieden werden. Zum Herz-Kreislauf-Training eignen sich Trainingsgeräte mit einer geschlossenen Kette (Fahrradergometer). Dehnübungen sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation.
Dislozierte oder instabile Frakturen erfordern eine chirurgische Behandlung. Rehabilitationsmaßnahmen in der frühen postoperativen Phase beinhalten den Schutz des Bereichs der Osteosynthese. Die zulässige Belastung der Extremitäten wird durch die erreichte Stabilität und die Art der verwendeten Osteosynthese bestimmt.
Zur Vorbeugung von Kontrakturen der Gelenke der unteren Extremitäten sind Übungen im Bett ohne Gewichtsbelastung angezeigt. Es werden allmähliche Mobilisierung und Aufrichtung mit orthopädischen Hilfsmitteln unter Schmerzkontrolle angestrebt.
Die Steigerung der Belastung beginnt nach 6 bis 12 Wochen, wenn die Konsolidierung des Bruchs radiologisch bestätigt wurde. Danach zielen die Übungen darauf ab, den Gang zu stabilisieren und zu normalisieren, die Rückkehr zu den Aktivitäten des täglichen Lebens, zur Arbeit und zum Sport zu ermöglichen.
Bei anhaltenden neurologischen Störungen ist die neurologische Rehabilitation ein wichtiger Aspekt der Erholung. Sie umfasst sowohl physikalische Therapie als auch Arbeitstherapie. Wichtig ist die Stärkung der nicht vom pathologischen Prozess betroffenen Muskeln und die Vorbeugung von Dekubitalgeschwüren an Stellen mit beeinträchtigter Sensibilität. Zur Mobilität sollten orthopädische Hilfsmittel verwendet werden. Eine Schulung über die Regelung der Darm- und Blasenfunktion kann erforderlich sein. Manchmal wird funktionelle Elektrostimulation eingesetzt, um die Muskelaktivierung in teilweise denervierten Muskeln zu verbessern.
Die Aufklärung der Patienten ist für die Einhaltung des Rehabilitationsplans unerlässlich. Eine frühe, strukturierte Rehabilitation, die auf die Wiederherstellung der Mobilität, Kraft und funktionellen Unabhängigkeit abzielt, führt zu optimalen Ergebnissen, insbesondere wenn sie von einem multidisziplinären Expertenteam koordiniert wird.
1. Was sind die Hauptsymptome einer Kreuzbeinfraktur?
2. Welche langfristigen Folgen kann eine Kreuzbeinfraktur haben?
3. Wie lange dauert die Heilung einer Kreuzbeinfraktur?
4. Wann und wie kann man nach einer Kreuzbeinfraktur wieder mit dem Gehen beginnen?
5. Darf man bei einer Sakrumfraktur auf der Seite liegen?
Quellenverweise
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VOKA-Katalog.
https://catalog.voka.io
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Kweh BTS, Tee JW, Oner FC, Schnake KJ, Vialle EN, Kanziora F, Rajasekaran S, Dvorak M, Chapman JR, Benneker LM, Schroeder G, Vaccaro AR. Evolution of the AO Spine Sacral and Pelvic Classification System: a systematic review. J Neurosurg Spine. 2022 Jul 29;37(6):914-926.
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Gutierrez-Gomez S, Wahl L, Blecher R, Olewnik Ł, Iwanaga J, Maulucci CM, Dumont AS, Tubbs RS. Sacral fractures: An updated and comprehensive review. Injury. 2021 Mar;52(3):366-375.
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