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Fazialisparese

Auch bekannt als: Fazialislähmung, Neuropathie des Nervus facialis, Bell-Lähmung

Als Fazialisparese bezeichnet man eine Schwäche (partielle Bewegungsstörung) der mimischen Muskulatur einer Gesichtshälfte, während eine Fazialislähmung den vollständigen Ausfall dieser Bewegungen bedeutet. Dieser Zustand entsteht durch eine Schädigung oder Funktionsstörung des N. facialis (Gesichtsnerv bzw. 7. Hirnnerv).

Die häufigste Form ist die idiopathische Neuropathie, bekannt als Bell-Lähmung, die plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftritt. Dieser Zustand stellt eine periphere Lähmung dar, d. h. der Nerv selbst ist nach seinem Austritt aus dem Hirnstamm geschädigt.

Ätiologie und Pathophysiologie

Man unterscheidet primäre (idiopathische) und sekundäre Ursachen für Schädigungen des Gesichtsnervs.

  • Bell-Lähmung: Man geht davon aus, dass die Entstehung dieser Erkrankung mit der Aktivierung einer Virusinfektion (meistens Herpes-simplex-Virus) zusammenhängt, die zu einer Schwellung und Entzündung des Nervs führt. Dies führt zu seiner Kompression im engen Knochenkanal des Schläfenbeins, durch den er verläuft.
  • Sekundäre Lähmungen: Sie können durch Infektionen (Lyme-Borreliose, Herpes zoster), Tumoren, Mittelohrentzündungen, Traumata (Schädelbasisfrakturen), Schlaganfälle oder systemische Erkrankungen verursacht werden.

Klinische Signifikanz

Das Erscheinungsbild entwickelt sich in der Regel innerhalb weniger Stunden. Es kommt zu einer Asymmetrie des Gesichts: Auf der betroffenen Seite ist die Nasolabialfalte verstrichen, der Mundwinkel hängt herab, der Patient kann die Stirn nicht runzeln, die Augenbraue nicht heben, das Lid nicht vollständig schließen (Lagophthalmus) oder die Wange nicht aufblasen. Es können auch Geschmacksstörungen und eine Lautheitsüberempfindlichkeit (Hyperakusie) auftreten.

Die Diagnose wird anhand der klinischen Untersuchung gestellt. Die wichtigste Aufgabe besteht darin, sekundäre Ursachen auszuschließen, vor allem einen Schlaganfall. Die Behandlung der Bell-Lähmung ist in den ersten 72 Stunden am wirksamsten und umfasst die Verabreichung von Glukokortikoiden zur Verringerung des Nervenödems. Die Augenpflege ist von entscheidender Bedeutung, um eine Austrocknung der Hornhaut zu verhindern.

Differentialdiagnose

Wichtig ist die Differentialdiagnose zwischen peripherer (wie bei Bell-Lähmung) und zentraler (Schlaganfall) Lähmung. Bei einer peripheren Lähmung ist die gesamte Gesichtshälfte betroffen, einschließlich der Stirnmuskulatur. Bei einer zentralen Lähmung bleibt die Innervation der Stirnmuskulatur aufgrund beidseitiger Verbindungen zur Hirnrinde teilweise erhalten, sodass der Patient die Stirn runzeln kann.

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