Performance-Status von Krebspatienten: Vergleichsanalyse von WHO/ECOG Performance Status und Karnofsky-Index, geriatrisches Assessment und klinische Anwendung

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Die Beurteilung des physischen Zustandes des Patienten ist ein zentraler Bestandteil der klinischen Entscheidungsfindung in der modernen onkologischen Praxis. Angesichts der zunehmenden therapeutischen Möglichkeiten, einschließlich zielgerichteter Therapie, Immuntherapie und kombinierter Behandlungsschemata, gewinnt die patientenspezifische Anpassung der Behandlungsansätze zunehmend an Bedeutung. Dabei wird der Performance-Status als einer der wichtigsten Faktoren angesehen, die die Therapieverträglichkeit, das Komplikationsrisiko und die Prognose bestimmen.

Bewertung des Patientenstatus vor Therapiebeginn
Bewertung des Patientenstatus vor Therapiebeginn

Im Gegensatz zu traditionellen Parametern, wie dem Tumorstadium und den molekulargenetischen Eigenschaften des Neoplasmas, spiegelt der Performance-Status die integrative Fähigkeit des Organismus wider, sich an den mit der Erkrankung und der Behandlung verbundenen Stress anzupassen. Somit ist die standardisierte Beurteilung des Allgemeinzustands ein obligatorischer Schritt der klinischen Untersuchung.

Der vorliegende Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Skalen zur Beurteilung des Performance-Status (ECOG, Karnofsky-Index) sowie über zusätzliche Instrumente des geriatrischen Assessments. Es werden deren klinische Bedeutung und Rolle bei der Personalisierung der Antitumortherapie untersucht.

Klinische Bedeutung der Beurteilung des physischen Zustands von Krebspatienten

Die Beurteilung des Allgemeinzustands eines Patienten ist ein wichtiger Bestandteil der klinischen Entscheidungsfindung in der modernen Onkologie. Neben dem Krankheitsstadium, den morphologischen und den molekulargenetischen Tumoreigenschaften bestimmt der Performance-Status des Patienten die Anwendbarkeit verschiedener Antitumortherapien sowie die Prognose der Erkrankung.

Der Performance-Status spiegelt die Fähigkeit des Patienten wider, Alltagsaktivitäten zu bewältigen, die Selbstständigkeit in der Lebensführung zu erhalten und die Belastungen einer antineoplastischen Therapie zu tolerieren. Bei Krebspatienten kann eine Verschlechterung des Allgemeinzustands sowohl durch die Tumorprogression als auch durch Komorbiditäten, eine Kachexie, altersbedingte Veränderungen oder die Toxizität der laufenden Behandlung bedingt sein. Daher ist die objektive Beurteilung des Performance-Status ein obligatorischer Schritt der klinischen Untersuchung.

Zahlreiche Studien belegen, dass die Parameter des Performance-Status einen unabhängigen prognostischen Faktor für das Gesamtüberleben und die Verträglichkeit einer antineoplastischen Therapie darstellen. Patienten mit erhaltenem Performance-Status werden häufiger einer kombinierten oder intensivierten Behandlung zugeführt und zeigen eine höhere Therapieeffizienz. Im Gegensatz dazu steigt bei stark beeinträchtigtem Patientenstatus das Risiko für toxische Komplikationen, Dosisreduktionen der Therapeutika und einen vorzeitigen Therapieabbruch.

Die Beurteilung des physischen Zustands wird auch bei der Planung klinischer Studien eingesetzt. Der Performance-Status gehört zu den primären Einschlusskriterien für Patienten und gewährleistet die Vergleichbarkeit der Untersuchungsgruppen. Zudem trägt das dynamische Monitoring des Patientenstatus dazu bei, eine klinische Verschlechterung rechtzeitig zu erfassen und das therapeutische Management anzupassen.

Die aktuellen Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN), der European Society for Medical Oncology (ESMO) und der American Society of Clinical Oncology (ASCO) betonen die Notwendigkeit einer obligatorischen Evaluation des Performance-Status vor Beginn einer systemischen Therapie. Dieser Parameter fließt in die Entscheidung über die Therapieintensität ein, dient der Prädiktion der Verträglichkeit und bestimmt die optimale Behandlungsstrategie.

Somit ist die standardisierte Beurteilung des Allgemeinzustands des Patienten ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Betreuung von Krebspatienten und trägt dazu bei, die Sicherheit und Wirksamkeit der Krebstherapie zu verbessern.

WHO/ECOG Performance-Status

Eines der weltweit meistgenutzten Instrumente zur Beurteilung des Performance-Status onkologischer Patienten ist die ECOG-Skala. Sie wurde 1960 von der Eastern Cooperative Oncology Group entwickelt und und findet heute sowohl in der klinischen Routine als auch im Rahmen klinischer Studien Anwendung. Ihre Praktikabilität, hohe Reproduzierbarkeit und ausgeprägte prognostische Validität haben die ECOG-Skala zu einem der Standardverfahren bei der Beurteilung des physischen Zustands von Krebspatienten gemacht.

Die ECOG-Skala basiert auf der Beurteilung des physischen Zustandes und der Fähigkeit, Aktivitäten des alltäglichen Lebens auszuführen. Im Gegensatz zu detaillierteren Scoring-Systemen umfasst sie wenigere Funktionen, was den klinischen Einsatz im Alltag erheblich erleichtert. Die Evaluation erfolgt durch den Arzt auf der Grundlage des klinischen Interviews, der Patientenbeobachtung sowie der Beurteilung der körperlichen Aktivität und der Fähigkeit zur Selbstversorgung.

Die Skala umfasst sechs Kategorien (von 0 bis 5), welche den Grad der funktionellen Einschränkung des Patienten widerspiegeln. Ein Score von 0 entspricht einer vollständig erhaltenen Aktivität, während höhere Werte eine fortschreitende Verschlechterung des Patientenstatus anzeigen. Der maximale Wert (5) steht für einen tödlichen Ausgang.

Kriterien des WHO/ECOG Performance-Status

ECOG-Score Klinische Charakterisierung
0 Vollkommen aktiv, in der Lage, alle Aktivitäten ohne Einschränkungen wie vor der Erkrankung fortzusetzen
1 Einschränkung bei körperlicher Anstrengung, aber gehfähig und in der Lage, leichte körperliche Arbeit zu verrichten
2 Gehfähig und fähig zur Selbstversorgung, aber nicht arbeitsfähig; kann mehr als 50% der Wachzeit aufstehen
3 Nur noch eingeschränkt zur Selbstversorgung fähig; verbringt mehr als 50 % der Wachzeit in Bett oder Stuhl
4 Völlig pflegebedürftig, unfähig zur Selbstversorgung; dauerhaft an Bett oder Stuhl gebunden
5 Tod

Die klinische Bedeutung der ECOG-Skala liegt in ihrer hohen prognostischen Relevanz. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass der ECOG-Status ein unabhängiger Prognosefaktor für das Gesamtüberleben bei verschiedenen Arten von bösartigen Tumoren ist. Patienten mit einem ECOG-Score von 0–1 tolerieren eine intensive systemische Therapie in der Regel besser und zeigen ein höheres Ansprechen auf die Behandlung. Im Gegensatz dazu steigt bei Patienten mit einem ECOG-Score ≥ 3 das Risiko für therapiebedingte Toxizitäten und Komplikationen signifikant an.

In der modernen klinischen Praxis wird der ECOG-Index herangezogen, um festzustellen, welche Arten der Krebstherapie verordnet werden können. Im klinischen Alltag ist es üblich, die Schwellenwerte der ECOG-Skala bei der Wahl der Behandlungsstrategie zu berücksichtigen. So ist bei einem ECOG-Wert von ≥ 2 Vorsicht bei der Verordnung einer zytotoxischen Chemotherapie geboten, das Behandlungsschema ist individuell anzupassen. Patienten mit einem ECOG-Score ≥ 3 kommen, abgesehen von ausgewählten klinischen Ausnahmesituationen, in der Regel primär für eine rein symptomatische Therapie oder ein palliatives Konzept (Best Supportive Care) infrage.

Darüber hinaus findet die ECOG-Skala breite Anwendung bei der Planung und Interpretation klinischer Studien. In den meisten randomisierten Studien gehört der Performance-Status zu den zentralen Einschluss- und Stratifizierungskriterien der Patienten. Dies gewährleistet die Vergleichbarkeit der Untersuchungsgruppen und ermöglicht eine korrekte Evaluation der Effektivität neuer Behandlungsmethoden.

Trotz ihrer weiten Verbreitung weist die ECOG-Skala einige Limitationen auf. Die Haupteinschränkung liegt in einer gewissen Subjektivität der Beurteilung, da das Ergebnis maßgeblich von der klinischen Erfahrung des Arztes und dessen Interpretation der funktionellen Einschränkungen des Patienten abhängt. Zudem verfügt die Skala über eine relativ geringe Anzahl an Graduierungen, was ihre Sensitivität im Rahmen des dynamischen Monitorings einschränken kann.

Dennoch bleibt die ECOG-Skala dank ihrer Praktikabilität und hohen klinischen Relevanz eines der wichtigsten Instrumente zur Erfassung des Patientenstatus in der Onkologie. Sie ermöglicht eine standardisierte Beurteilung des Allgemeinzustands, erleichtert die interdisziplinäre Kommunikation und dient als wesentliche Orientierungshilfe bei der Festlegung der Behandlungsstrategie.

Karnofsky-Index (Karnofsky performance status scale, KPS)

Die Karnofsky-Skala (Karnofsky-Index) ist ein klassisches Instrument zur Beurteilung des Performance-Status von Patienten mit bösartigen Tumoren, welches im Jahr 1948 entwickelt wurde. Sie dient der Quantifizierung der Selbstversorgung sowie der Therapieverträglichkeit, was eine Prädiktion des Therapieansprechens und des Gesamtüberlebens erlaubt. Der KPS variiert von 100 % (vollständig aktiv, ohne Einschränkungen) bis 0 % (Tod) in Schritten von jeweils 10 Prozentpunkten und spiegelt so die graduelle Verschlechterung des Patientenstatus wider.

Karnofsky-Index (Karnofsky performance status scale, KPS)

Punkte Klinische Charakterisierung
100 Normale Aktivität, keine Beschwerden
90 Minimale Krankheitssymptome, normale Leistungsfähigkeit
80 Normale Leistungsfähigkeit mit Anstrengung, geringe Krankheitszeichen
70 Kann sich selbst versorgen, jedoch arbeitsunfähig
60 Benötigt gelegentlich fremde Hilfe, ist jedoch in den meisten Bereichen des täglichen Lebens selbstständig
50 Erhebliche Unterstützung erforderlich
40 Pflegebedürftig, spezielle Pflege erforderlich
30 Schwer krank, eine stationäre Aufnahme ist indiziert
20 Schwerkrank, aktive supportive Maßnahmen erforderlich
10 Moribund
0 Tod

Der KPS wird zur Stratifizierung von Patienten in klinischen Studien sowie zur Evaluation der Indikationen für Chemotherapien, Radiotherapien und chirurgische Interventionen eingesetzt. Höhere Scores (80–100 %) sind in der Regel mit einer guten Verträglichkeit aggressiver Therapieregime assoziiert, während niedrige Werte (≤ 50 %) auf die Notwendigkeit eines palliativen Ansatzes oder einer Dosismodifikation der Arzneimittel hinweisen. Der entscheidende Vorteil der Skala im Vergleich zum ECOG-Status liegt in ihrer detaillierteren Abstufung. Diese ermöglicht es, die Dynamik des Patientenstatus präziser zu überwachen und das Risiko für Toxizitäten vorherzusagen.

Aktuelle Studien bestätigen die prognostische Relevanz des Karnofsky-Index: Er korreliert sowohl mit dem Gesamtüberleben bei soliden Tumoren und hämatologischen Neoplasien als auch mit der Wahrscheinlichkeit, ein objektives Ansprechen (Objective Responce Rate, ORR) auf die Behandlung zu erzielen. Der KPS wird häufig in Kombination mit anderen Scores und Biomarkern für eine komprehensive Patientenbeurteilung herangezogen, einschließlich Komorbiditätsindizes, Laborparametern und PROs (Patient-Reported Outcomes – vom Patienten selbst berichtete Endpunkte).

Dennoch weist die Skala Limitationen auf: die Subjektivität der Bewertung, das Risiko von Abweichungen zwischen verschiedenen Beobachtern (Interobserver-Variabilität) sowie eine eingeschränkte Sensitivität gegenüber Veränderungen im kognitiven und emotionalen Bereich. Zur Steigerung der Genauigkeit wird empfohlen, den Performance-Status auf mehreren Ebenen zu evaluieren, indem der KPS mit dem ECOG-Status und spezialisierten Lebensqualitätsskalen kombiniert wird.

Somit bleibt der KPS ein wichtiges Instrument der personalisierten onkologischen Praxis. Er liefert eine quantitative und reproduzierbare Beurteilung des Patientenzustands, die für die Therapiewahl und die Prädiktion des Behandlungsergebnisses unerlässlich ist.

Vergleichsanalyse: ECOG Performance-Status vs. Karnofsky-Index

Parameter ECOG Performance-Status Karnofsky-Index (KPS)
Praktikabilität Hoch Moderat
Detailgrad Gering (0–5) Hoch (0–100)
Sensitivität gegenüber Veränderungen Eingschränkt Höher
Reproduzierbarkeit Gut Abhängig von der klinischen Erfahrung
Hauptanwendungsbereich Klinischer Alltag Klinische Studien und vertiefte Evaluation
Prognostische Relevanz Hoch Hoch

Ergänzende Scores zur Evaluation des Performance- und geriatrischen Status

Neben dem ECOG-Status und dem KPS werden in der klinischen Praxis spezialisierte Scores zur Beurteilung des Allgemeinzustands und des geriatrischen Risikos bei onkologischen Patienten aktiv eingesetzt. Sie sind besonders wichtig beim Management geriatrischer Patienten, bei ausgeprägter Multimorbidität sowie bei der Planung einer intensivierten Therapie.

Barthel-Index

Der Barthel-Index bewertet die Fähigkeit des Patienten, die Dinge des täglichen Lebens (Alltagskompetenz) selbständig durchführen zu können (ADL-Score, Activities of Daily Living). Dazu gehören unter anderem die Nahrungsaufnahme, die Mobilität, die Körperpflege sowie die Harn- und Stuhlkontinenz. Der Score variiert von 0 bis 100 Punkten, wobei ein höheres Ergebnis eine ausgeprägte Selbstständigkeit widerspiegelt. Mit diesem Instrument lassen sich Patienten identifizieren, bei denen eine Standard-Chemotherapie mit einer exzessiven Toxizität einhergehen könnte.

Barthel-Index (ADL)

Funktion Wert Befund
Ernährungsstatus 0–10 0: inkontinent, 10: ständig kontinent
Mobilität 0–15 0: immobil, 15: vollständig selbstständig
Körperpflege 0–5 0: vollständig hilfsbedürftig, 5: vollständig selbstständig
Urinkontrolle 0–10 0: inkontinent, 10: ständig kontinent
Stuhlkontrolle 0–10 0: inkontinent, 10: ständig kontinent

Gesamtscore: 0–100 Punkte, wobei 100 Punkte einer vollständigen Autonomie des Patienten entsprechen.

IADL-Skala nach Lawton und Brody

Die IADL-Skala nach Lawton und Brody (Lawton Instrumental Activities of Daily Living) fokussiert sich auf komplexere funktionelle Fähigkeiten: Geldgeschäfte, Kochen, die Nutzung von Verkehrsmitteln sowie die Einnahme von Medikamenten. Die IADL-Skala trägt zur Prädiktion der Selbstständigkeit des Patienten bei und dient der Evaluation des Bedarfs an sozialer Unterstützung.

IADL-Skala nach Lawton und Brody

Aktivitäten Wert Befund
Telefonnutzung 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig
Einkaufen 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig
Kochen 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig
Haushalt 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig
Verkehrsmittel 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig
Medikamente 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig
Geldgeschäfte 0–1 0 = hilfsbedürftig / Unterstützung notwendig, 1 = selbstständig

Komprehensives Geriatrisches Assessment

Das komprehensive geriatrische Assessment (Comprehensive Geriatric Assessment, CGA) fasst verschiedene geriatrische Instrumente zusammen. Dazu gehören kognitive Testverfahren (Mini-Mental-Status-Test, MMSE), die Evaluation des emotionalen Status (geriatrische Depressionsskala, GDS), die Ernährungssituation (Mini Nutritional Assessment, MNA), die Multimorbidität sowie das Sturzrisiko. Das CGA ist im Rahmen der Stratifizierung geriatrischer Patienten und bei der Anpassung von Therapieregimen an die individuelle Verträglichkeit von kritischer Bedeutung.

Komprehensives Geriatrisches Assessment (CGA)

Domäne Tool Befund
Kognitive Funktion MMSE Punktebereich: 0–30; < 24 Punkte: Vorliegen einer kognitiven Einschränkung
Emotionaler Status GDS Depressionsskala für ältere Menschen, ≥ 5 Punkte: Verdacht auf eine depressive Episode
Ernährungsstatus MNA ≤ 11 Punkte: Risiko für eine Mangelernährung; 12–14 Punkte: Normaler Ernährungszustand
Multimorbidität Charlson Comorbidity Index (CCI) Die erreichten Scores spiegeln die Schwere und Prognose der Begleiterkrankungen wider.
Sturzrisiko Timed „Up and Go“-Test (TUG-Test) Benötigte Zeit > 13,5 Sekunden: signifikant erhöhtes Sturzrisiko

Die Rolle der Gebrechlichkeit (Frailty) und der PROs bei der Bestimmung des Patientenstatus

In der modernen Onkologie gewinnt das geriatrische Syndrom der Frailty zunehmend an Bedeutung. Es reflektiert eine Reduktion der physiologischen Reserven des Organismus sowie eine allgemein erhöhte Anfälligkeit älterer Menschen gegenüber exogenen Stressfaktoren. Die Evaluation der Frailty erlaubt im Vergleich zum chronologischen Alter des Patienten eine präzisere Prädiktion der Verträglichkeit einer antineoplastischen Therapie sowie des Komplikationsrisikos, was eine Schlüsselrolle beim therapeutischen Management einnimmt. Ebenso hat in den letzten Jahren die Erfassung von Patient-Reported Outcomes (PROs) – den vom Patienten selbst berichteten Endpunkten – stark an Bedeutung gewonnen. Diese spiegeln die subjektive Wahrnehmung des Patienten bezüglich seines Performance-Status, seiner Symptomlast und seiner Lebensqualität (QoL) wider. Die Implementierung von PROs in die klinische Routine ermöglicht eine umfassendere Beurteilung des Einflusses von Erkrankung und Therapie auf den Patienten und steigert die Präzision klinischer Entscheidungen.

Studien belegen, dass die Integration dieser Scores in den klinischen Alltag die Vorhersage von Toxizitäten verbessert, das Risiko einer stationären Aufnahme senkt und eine Optimierung der Dosisintensität ohne Effektivitätsverlust ermöglicht. Die aktuellen Leitlinien des NCCN und der SIOG (International Society of Geriatric Oncology) empfehlen den obligatorischen Einsatz von CGA bei Patienten über 70 Jahren oder bei fraglicher Therapietoleranz.

Diese Instrumente ergänzen den ECOG-Status und den Karnofsky-Index, wodurch ein ganzheitliches Bild des Patientenstatus entsteht, das als Fundament für eine personalisierte Auswahl der antineoplastischen Therapie dient.

Personalisierung der Tumortherapie auf der Grundlage des Performance-Status

Die Beurteilung des Performance-Status ist ein integraler Bestandteil des komprehensiven Managements onkologischer Patienten und spielt eine Schlüsselrolle bei der Auswahl des optimalen therapeutischen Vorgehens. Standardisierte Skalen wie ECOG und Karnofsky-Index ermöglichen es, die klinische Einschätzung des Allgemeinzustands zu objektivieren, die Therapieverträglichkeit vorherzusagen und das Komplikationsrisiko zu stratifizieren.

Ergänzende Instrumente, darunter ADL/IADL-Skalen und komprehensives Geriatrisches Assessment, erweitern die Optionen des Klinikers, insbesondere beim Management geriatrischer und multimorbider Patienten. Die Implementierung dieser Ansätze in die klinische Praxis trägt zu einer präziseren Personalisierung der Therapie und zur Verbesserung des therapeutischen Outcomes bei.

Die zukünftige Entwicklung in der Onkologie ist eng mit der Einführung multidisziplinärer Evaluationsmodelle verknüpft, die auch PROs und digitale Monitoring-Tools umfassen. Dies wird eine noch exaktere Prognosestellung sowie eine höhere Sicherheit der antineoplastischen Therapie ermöglichen.

FAQ

1. Welche Skala ist in der klinischen Routine vorzuziehen?

In den meisten klinischen Situationen ist die ECOG Performance-Skala aufgrund ihrer Praktikabilität und der schnellen Durchführbarkeit zu bevorzugen. Bei Bedarf nach einer präziseren Beurteilung kann der Karnofsky-Index (KPS) herangezogen werden.

2. Können ECOG-Status und KPS gleichzeitig angewendet werden?

Ja. Eine kombinierte Anwendung erhöht die Validität der Beurteilung. Dies gilt insbesondere für klinisch diskutable Grenzfälle sowie im Rahmen des dynamischen Verlaufsmonitorings.

3. Ab welchem ECOG-Score ist eine systemische Therapie kontraindiziert?

Als klinische Orientierung gilt: Ein ECOG 0–1 qualifiziert für das onkologische Standardregime. Ein ECOG 2 erfordert eine patientenindividuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Bei einem ECOG ≥ 3 besteht in der Regel eine Kontraindikation für aggressive, zytotoxische Therapiestrategien.

4. Sollte ein geriatrisches Assessment standardmäßig bei allen älteren Patienten durchgeführt werden?

Ein komprehensives Geriatrisches Assessment wird leitlinienkonform für alle Tumorpatienten ab dem 70. Lebensjahr empfohlen, sowie bei Patienten jeglichen Alters mit fraglicher Therapietoleranz.

5. Kann sich der Performance-Status im Verlauf der Behandlung verändern?

Ja, der Allgemeinzustand ist dynamisch. Daher ist eine regelmäßige Verlaufskontrolle (insbesondere beim Auftreten therapiebedingter Toxizitäten) zwingend erforderlich.

6. Wie hoch ist die Subjektivität von ECOG und Karnofsky-Index?

Beide Scores weisen eine inhärente Subjektivität auf (Risiko der Interobserver-Variabilität). Aus diesem Grund wird eine serielle Evaluation im Krankheitsverlauf sowie der komplementäre Einsatz mehrerer Assessment-Tools empfohlen.

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