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Cauda-equina-Syndrom

Auch bekannt als: Kaudasyndrom

Das Cauda-equina-Syndrom (direkte Übersetzung aus dem Lateinischen cauda equina — Pferdeschwanz) ist ein lebensbedrohlicher neurologischer Zustand, verursacht durch eine massive und akute Kompression der Bündel von Lenden-, Sakral- und Steißbein-Nervenwurzeln im unteren Bereich des Wirbelkanals.

Ätiologie und Pathophysiologie

Eine anatomische Besonderheit des Menschen besteht darin, dass das dichte Rückenmark auf Höhe des ersten bis zweiten Lendenwirbels endet. Unterhalb dieser Höhe verlaufen im weiten Duralsack frei nur lange Nervenwurzeln (von L2 bis S5), deren Aussehen visuell an einen Pferdeschwanz erinnert.

Das Syndrom entwickelt sich bei einer plötzlichen und kritischen Verengung des Lumens im Wirbelkanal auf Höhe der Lumbalregion. Die häufigste Ursache ist ein massiver (sequestrierter) Bandscheibenvorfall, der direkt in das Lumen des Kanals fällt und das gesamte Nervengeflecht gleichzeitig komprimiert. Seltener wird es durch eine Trümmerfraktur der Lendenwirbel oder ein ausgedehntes Epiduralhämatom verursacht.

Klinische Signifikanz

In der Traumatologie und Neurochirurgie gehört diese Diagnose zu den absoluten „Red Flags“ und erfordert eine sofortige Hospitalisierung. Das klinische Bild setzt sich aus einer spezifischen symmetrischen Triade von Symptomen zusammen.

Das Hauptmerkmal ist die „Sattelanästhesie“ — ein vollständiger Verlust der Sensibilität im Perinealbereich, an der Innenseite der Oberschenkel und der Genitalien. Ein weiteres kritisches Symptom ist die erhebliche Dysfunktion der Beckenorgane: akuter Harnverhalt (der Patient spürt die Blasenüberfüllung nicht) und Stuhlinkontinenz aufgrund einer Lähmung der Schließmuskeln. Das dritte Merkmal ist ein schlaffer Paresis der unteren Extremitäten mit Verlust der Achillessehnenreflexe. Der Zustand erfordert eine dringende Dekompressionsoperation innerhalb der ersten 24 Stunden, um eine irreversible Behinderung zu verhindern.

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