Eisenmangelanämie: Epidemiologie, Klassifizierung, Diagnose und Behandlung
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Eine Eisenmangelanämie ist eine Erkrankung, die entsteht, wenn der Körper mehr Eisen verliert, als er über die Nahrung aufnimmt. Dies liegt oft an einem Eisenmangel, der durch Blutverlust, unzureichende Nahrungsaufnahme oder eine gestörte Absorption im Darm sowie durch einen erhöhten Bedarf, etwa während der Schwangerschaft, zurückzuführen ist. Dadurch sinkt der Hämoglobinwert und die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut nimmt ab.


Epidemiologie
Eisenmangelanämie ist ein globales Gesundheitsproblem. Die Krankheit ist weit verbreitet, nicht an geographische Orte oder sozio-ökonomische Prozesse gebunden und betrifft über eine Milliarde Menschen (27 % der Bevölkerung).
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lag die Prävalenz von Anämie im Jahr 2011 bei:
- 42 % bei Kindern;
- 29 % bei nicht schwangeren Frauen;
- 38 % bei schwangeren Frauen.
Im Jahr 2013 wurde Eisenmangel als Hauptursache für Anämie erkannt und behält diesen Status bis heute bei.
Erkrankungen, die mit niedrigen Eisenspiegeln verbunden sind, sind bei Frauen in Ländern mit hohem Einkommen weit verbreitet. Etwa 38 % der nicht schwangeren Frauen haben einen Eisenmangel, jedoch ohne Anämie; bei 13 % entwickelt sich eine Eisenmangelanämie.
Schwangerschaft erhöht das Risiko signifikant: im dritten Trimester wird bei den meisten schwangeren Frauen (84 %) ein Eisenmangel beobachtet.
Ein gesteigertes Risiko für die Entstehung einer Eisenmangelanämie weisen zudem folgende Personengruppen auf:
- Solche, die nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente einnehmen;
- Personen mit chronischen Darmentzündungen (13–90 %);
- Menschen mit langanhaltenden Entzündungen, wie zum Beispiel chronischen Nierenerkrankungen (24–85 %), Herzschwäche (37–61 %) oder Krebserkrankungen (18–82 %).
Pathophysiologie
Eisen gelangt über die Nahrung in den Körper. Die Form, die der Körper am besten aufnehmen kann, ist das Häm-Eisen. Es ist in tierischen Lebensmitteln (rotes Fleisch, Geflügel und Meeresfrüchte) enthalten.
Zusätzlich gibt es das Nicht-Häm-Eisen, das in pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Gemüse (z. B. getrockneten Bohnen, Blattgemüse) und Getreide vorkommt.
Beide Formen werden im Duodenum absorbiert. Anschließend gelangt das Eisen mithilfe eines speziellen Transportproteins (Ferroportin) in die Blutbahn und bindet sich dort an Transferrin.
Transferrin transportiert Eisen zur Leber, Milz und ins Knochenmark für die Produktion und Speicherung roter Blutkörperchen. Innerhalb der Zelle bindet sich Eisen an Ferritin, um Zellschäden durch die Bildung von freien Radikalen zu verhindern.
Die Aufnahme und Speicherung von Eisen werden durch das Hormon Hepcidin reguliert, das in der Leber synthetisiert wird. Es blockiert Ferroportin und fördert dessen Abbau. Dies verhindert Aufnahme und Freisetzung des in der Leber, Milz und im Knochenmark gespeicherten Eisens.
Wenn der Eisenspiegel im Körper niedrig ist, sinkt der Hepcidin-Wert. Dies hilft dabei, dass Eisen besser aufgenommen und aus den Speichern freigesetzt werden kann. Im Gegensatz dazu stimuliert ein Überschuss an Eisen oder eine Entzündung die Hepcidin-Produktion der Leber. Infolgedessen wird die Aufnahme von Eisen in den Blutkreislauf und die Freisetzung von Ferritin blockiert, wodurch die Hämoglobinsynthese gestört wird.
Anhaltend hohe Hepcidin-Spiegel können schließlich zu Eisenmangel und folglich zu Anämie führen.
Klassifizierung der Eisenmangelanämie
Alle Anämien werden nach ihrem Schweregrad wie folgt klassifiziert:
- Leicht: 90–120g/L;
- Moderat: 70–90g/L;
- Schwer: weniger als 70g/L.


Nach der Größe der roten Blutkörperchen:
- Mikrozytär (MCV < 80fL): häufig bei Eisenmangelanämie, Anämie bei chronischen Erkrankungen, Thalassämien;
- Normozytär (MCV 80–100fL): bei Anämie bei chronischen Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung und Sichelzellenanämie, und möglich bei früh entdeckter Eisenmangelanämie;
- Makrozytär (MCV > 100fL): bei B12-Mangel, Folsäuremangelanämie, Lebererkrankungen.
Klinisches Erscheinungsbild
Eisenmangelanämie kann langsam fortschreiten. In einem solchen Fall treten keine Symptome auf. Auch eine milde Anämie kann symptomfrei verlaufen, oder sie können unspezifisch sein.
Symptome:
- Müdigkeit;
- Erhöhte Müdigkeit;
- Blässe der Haut;
- Schwindel;
- Erhöhte Müdigkeit;
- Schlafstörungen;
- Atemnot (kann in Ruhe oder bei minimaler körperlicher Anstrengung auftreten);
- Tachykardie.
Bei einer klinischen Untersuchung können folgende Anzeichen festgestellt werden:
- Konjunktivale Blässe,
- Glossitis (Atrophie der Zungenschleimhaut),
- Cheilosis (Risse in den Mundwinkeln),
- Koilonychie („Löffelnägel“).
Diagnostik
Labortests
- Komplettes Blutbild: Hämoglobin unter 130g/L bei Männern, unter 120g/L bei Frauen, unter 110g/L bei schwangeren Frauen. Normozytäre oder mikrozytäre, hypochrome rote Blutkörperchen, niedrige Retikulozytenzahl.
- Blutbiochemie: niedrige Eisen- und Ferritinwerte im Blut sowie ein erhöhter Transferrinwert.
Instrumentelle diagnostische Methoden
Es werden notwendige Untersuchungen durchgeführt, um andere Krankheiten auszuschließen, die ebenfalls zu Anämie führen können:
- Röntgenaufnahme des Thorax: Ausschluss von Lungen- und Mediastinaltumoren, Tuberkulose;
- Ösophagogastroduodenoskopie: Ausschluss von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren infolge einer Helicobacter-pylori-Infektion sowie Identifizierung von Blutungsquellen oder Ösophagus- bzw. Magentumoren;
- Koloskopie: Ausschluss von Polypen, Darmneoplasmen, Blutungen;
- Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle und des Retroperitonealraums: Ausschluss von Tumoren, Milzvergrößerung, Hepatitis;
- Gynäkologische Untersuchung: Ausschluss gynäkologischer Pathologien, die Anämie verursachen können (starke Menstruation oder Uterusmyome).
Zusätzliche Diagnosemethoden umfassen die Untersuchung von Stuhl auf okkultes Blut, Helminthen und Protozoen sowie die Aspirationsuntersuchung des Knochenmarks (Myelogramm).
Differenzialdiagnose
Für eine genaue Diagnose ist es wichtig, Eisenmangelanämie von anderen Anämieformen, insbesondere Anämie bei chronischen Erkrankungen, zu unterscheiden.
Vergleich von Eisenmangelanämie und Anämie bei chronischen Krankheiten
| Parameter | Eisenmangelanämie | Anämie bei chronischen Krankheiten |
|---|---|---|
| Serumeisen | Niedrig | Niedrig |
| Ferritin | Niedrig | Erhöht |
| Transferrin | Erhöht | Niedrig |
Behandlung und Korrektur des Eisenspiegels
Die Behandlung zielt darauf ab, die Hauptursache des Blutverlusts, der Entzündung oder der gestörten Absorption zu beseitigen und den Eisenmangel auszugleichen.
Eine Transfusion von roten Blutkörperchen ist bei einer schweren Eisenmangelanämie angezeigt.
Orale Eisenaufnahme
Die orale Eisenaufnahme ist eine wirtschaftlich zugängliche und sehr effektive Behandlungsmethode für Eisenmangelanämie bei stabilen ambulanten Patienten. Eisensalze (Eisengluconat, Eisensulfat und Eisenfumarat) sind die erste Wahl für die Behandlung dieser Erkrankung.
Unter den oralen Formen ist Eisensulfat als „Goldstandard“ anerkannt. Dies liegt an seiner hohen Bioverfügbarkeit, wirtschaftlichen Effizienz und weltweiten Verbreitung. Genau wie andere Eisensalze steigert es den Eisenwert im Blut schnell und verbessert so wirksam den Hämoglobinwert und die Eisenspeicher.
Die Einnahme von Medikamenten hängt von der Schwere der Eisenmangelanämie ab. Medikamente müssen mindestens 4 bis 6 Monate lang genommen werden, bis die Hämoglobinwerte wieder normal sind – und danach noch weitere 2 bis 3 Monate, bis auch die Ferritinspeicher aufgefüllt sind. Manchmal dauert es sogar noch länger.
Für eine bessere Aufnahme sollten Eisenpräparate eingenommen werden:
- Auf nüchternen Magen oder zwischen den Mahlzeiten;
- Zusammen mit Vitamin C (Orangensaft oder Ascorbinsäure);
- Die gleichzeitige Einnahme mit calciumhaltigen Produkten wie Milchprodukten sowie Tee und Kaffee sollte vermieden werden.
Darüber hinaus kann die gleichzeitige Einnahme von Eisenpräparaten mit Medikamenten, die die Magensäure reduzieren (Antazida), die Eisenaufnahme beeinträchtigen.
Es gilt außerdem zu beachten, dass die Einnahme von oralen Eisenpräparaten als sicher gilt, jedoch häufig zu:
- Übelkeit;
- Erbrechen;
- Verstopfung;
- Durchfall;
- Bauchschmerzen;
- schwarzem, teerartigem Stuhl führen kann.
Eisensalze können auch Zahnverfärbungen und einen metallischen Geschmack im Mund verursachen. Besonders deutlich treten diese Effekte bei einer langfristigen Anwendung flüssiger Arzneiformen oder bei unzureichender Verdünnung vor der Einnahme auf.
Eisenaufnahme
Die Aufnahme von Eisen hängt von seiner Wertigkeit ab: zweiwertiges Eisen wird direkt aufgenommen, während dreiwertiges einer vorherigen Reduktion bedarf.
Einige moderne Eisenpräparate wie Polysaccharid-, Citrat- und Sukrosomeisen können gemäß den Herstellungsanweisungen unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Obwohl dreiwertiges Eisen oft als magenfreundlicher gilt als zweiwertiges Eisen, gibt es nur wenige direkte Vergleichsstudien.
Sucrosomales Eisen in Kapselform wird vom Magen-Darm-Trakt gut vertragen. Es hat sich bei Patienten mit Eisenmangel als wirksam erwiesen, die herkömmliches Eisensulfat nicht vertragen haben, sowie bei Frauen mit postpartaler Anämie.
Ähnliche Ergebnisse zur guten Verträglichkeit gab es auch bei Patienten mit chronischen Darmentzündungen oder chronischen Nierenerkrankungen (ohne Dialyse), die liposomales Eisen einnahmen.
Eisenmaltol und sukrosomales Eisen sind vielversprechende neue orale Formen von Eisenpräparaten. Ihre Wirksamkeit im Vergleich zu traditionellen Eisensalzen ist jedoch noch nicht erwiesen, und sie sind erheblich teurer. Obwohl sie in manchen Fällen ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie Eiseninfusionen, müssen sie mehrere Monate lang eingenommen werden, um die Speicher wieder ganz aufzufüllen.
Weitere randomisierte kontrollierte Studien mit ausreichender statistischer Aussagekraft sind erforderlich, um die Wirksamkeit, die Nebenwirkungsprofile sowie die optimalen Dosierungen diverser oraler Eisenpräparate bei verschiedenen Patientengruppen vollständig zu klären.
Intravenöse Eisengabe
Die intravenöse Eisengabe ist die bevorzugte Therapiemethode in Fällen, in denen Widerstand gegen orale Formen oder unzureichende Verträglichkeit besteht.
Zudem ist dieser Ansatz bei Patienten angezeigt, die eine rasche Auffüllung der Eisendepots benötigen, da die Resorptionsphase im Magen-Darm-Trakt umgangen und so eine unmittelbare Bioverfügbarkeit gewährleistet wird.
Diese Methode ist aus folgenden Gründen wirksamer als die Einnahme von Tabletten:
- Sie normalisiert Hämoglobinwerte schneller;
- Sie reduziert den Bedarf an Bluttransfusionen;
- Sie verbessert die Lebensqualität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, entzündlichen Darmerkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen bei Hämodialyse und Anämie im Zusammenhang mit malignen Erkrankungen.
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