Die Tympanometrie ist ein objektives Diagnoseverfahren, mit dem der Funktionszustand des Mittelohrs durch Messung der Beweglichkeit des Trommelfells (Compliance) und der Gehörknöchelchenkette beurteilt werden kann. Bei dieser Methode wird die vom Trommelfell reflektierte Schallenergie bei einer Veränderung des Luftdrucks im äußeren Gehörgang aufgezeichnet.
Die Untersuchungsergebnisse werden in Form eines Tympanogramms dargestellt, das die Funktion des Mittelohrs veranschaulicht. Die Tympanometrie ist ein schneller, nicht-invasiver und sehr aussagekräftiger Test, der in der HNO-Heilkunde und Audiologie weit verbreitet ist.
Die Untersuchung basiert auf akustischer Impedanz, d. h. dem Widerstand, den das Mittelohrsystem einer Schallwelle entgegensetzt. Das bewegliche, elastische Trommelfell leitet Schall gut weiter (niedrige Impedanz), während ein starres, unbewegliches System (z. B. bei Flüssigkeit im Mittelohr) einen Großteil der Schallenergie zurückstrahlt (hohe Impedanz).
Zur Durchführung der Tympanometrie kommt ein eigenes Gerät, ein Tympanometer, zum Einsatz. In den äußeren Gehörgang des Patienten wird eine Sonde mit drei folgenden Kanälen luftdicht eingeführt:
Das Messgerät registriert, bei welchem Druck im Gehörgang das Trommelfell die größte Nachgiebigkeit aufweist (d. h. die geringste Schallmenge reflektiert, sogenannte Trommelfell-Compliance). Dies geschieht in dem Moment, wenn sich der Druck vor und hinter dem Trommelfell ausgleicht.
Veränderungen der Normalkurve im Tympanogramm ermöglichen Rückschlüsse auf vorliegende Pathologien im Mittelohr.
Interpretation der Tympanometriebefunde
| Typ | Kurve | Bewertung |
|---|---|---|
| Typ A (A-Kurve) | Glockenförmige Kurve mit Gipfel bei Null (+50 bis -100 daPa) | Normalbefund. Die A-Kurve zeugt von einem normalen Druck im Mittelohr und einer guten Beweglichkeit des Trommelfells und der Gehörknöchelchen. |
| Typ B (B-Kurve) | Eine flache bzw. schwach ausgeprägte Kurve ohne eindeutige Spitze | Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr (exsudative Otitis) oder Trommelfellperforation. Die B-Kurve weist auf eine fehlende Beweglichkeit des Trommelfells hin. |
| Typ C (C-Kurve) | Die Kurve hat eine normale Form, aber es liegt eine Verschiebung des Maximums in den negativen Druckbereich (unter –100 daPa) vor | Eine Funktionsstörung der Ohrtrompete. Die C-Kurve zeugt vom Unterdruck im Mittelohr |
| Typ As | Ein regelrecht gelegenes Maximum, jedoch niedrig und „flach“ | Steifigkeit (verminderte Nachgiebigkeit) der Gehörknöchelchenkette. Ein möglicher Befund bei Otosklerose |
| Typ Ad | Ein sehr hoher Peak, geht häufig über das Diagramm hinaus | Eine erhöhte Nachgiebigkeit (Compliance) des Trommelfells. Der Befund kann auf eine Ruptur der Gehörknöchelchenkette oder eine Trommelfellatrophie hinweisen |
Die Tympanometrie ist ein wichtiges Diagnoseverfahren bei einer exsudativen Otitis media, vor allem in der Kinderheilkunde, da diese häufig zu einer Hörminderung bei Kindern führt. Der Test hilft bei der Differentialdiagnose zwischen Schalleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit: bei letzterer ist das Tympanogramm in der Regel normal (Typ A). Die Untersuchung wird auch zur Beurteilung der Tubenfunktion, zur Kontrolle der Therapieeffizienz von Mittelohrerkrankungen und zur Überprüfung der Durchgängigkeit von Paukenröhrchen (Mittelohrdrainagen) verwendet.
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