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Parazentese des Trommelfells

Auch bekannt als: Myringotomie, Tympanotomie

Die Parazentese (von altgriechisch παρά „neben“, und κέντησις „Stechen“), oder Myringotomie, ist ein therapeutisch-diagnostischer Eingriff, bei dem ein kleiner Einschnitt (Durchstich) in das Trommelfell vorgenommen wird. Durch den Eingriff wird das nicht-physiologische Exsudat aus der Paukenhöhle entfernt und der Druck im Mittelohr gesenkt.

Dies ist einer der häufigsten Eingriffe in der HNO-Chirurgie. Eine rechtzeitige Parazentese bei akuter Otitis media lindert die Symptome erheblich, beschleunigt die Genesung und hilft, schwere Komplikationen wie Mastoiditis oder intrakranielle Infektionen zu verhindern.

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Hauptziel der Parazentese ist, einen kontrollierten Abfluss des im Mittelohr angesammelten Exsudats oder Eiters zu gewährleisten.

Hauptindikationen:

  • Akute eitrige Otitis media: die häufigste Indikation. Der Eingriff erfolgt im präperforativen Stadium bei Vorliegen folgender Symptomatik:
    • hohes Fieber und ausgeprägte Allgemeinsymptome
    • Zeichen der Innenohrreizung (Schwindel) und der Fazialisparese
    • Wirkungslosigkeit der bisherigen Therapie
    • Komplikationen (Mastoiditis, intrakranielle Infekte)
  • Seröse Otitis media: Bei fehlender Wirkung konservativer Maßnahmen dient der Eingriff zur Entfernung des zähflüssigen Sekrets aus der Paukenhöhle mit anschließender Anlage eines Paukenröhrchens (Mittelohrdrainage).
  • Hämatotympanon: Ansammlung von Blut in der Paukenhöhle infolge einer Verletzung (einschließlich Barotrauma).
  • Zu Diagnosezwecken: Entnahme von Exsudat zur bakteriologischen Untersuchung bei einer atypischen oder therapieresistenten Otitis.

Operationstechnik

Der Eingriff wird von einer HNO-Fachkraft unter ständiger Sichtkontrolle mit einem Operationsmikroskop durchgeführt. Bei Erwachsenen erfolgt der Eingriff meist unter örtlicher Betäubung, bei Kindern ist in der Regel eine Vollnarkose erforderlich.

Mit einer speziellen speerförmigen Parazentesenadel wird eine kleine Inzision in das Trommelfell gemacht. Aus Sicherheitsgründen und um Schäden an den Mittelohrstrukturen (Gehörknöchelchen, Nerven) zu vermeiden, erfolgt der Schnitt in den vorderen bzw. hinteren unteren Quadranten. Unmittelbar nach dem Einstich tritt unter Druck Exsudat (Eiter, seröse Flüssigkeit) aus dem Mittelohr aus, das abgesaugt wird. Wenn nach dem Eingriff ein längeres Offenhalten gedacht ist, wird ein Paukenröhrchen (Mittelohrdrainage) in den Schnitt eingeschoben.

Klinische Bedeutung und Prognose

Die Parazentese bringt bei akuter Otitis sofortige Schmerzlinderung, da dadurch der Druck in der Paukenhöhle sinkt. Im Gegensatz zu einem spontanen Riss hat ein künstlicher Schnitt glatte Ränder und heilt in der Regel innerhalb von 7 bis 10 Tagen unter Bildung einer kaum sichtbaren Narbe. Das Verfahren verhindert eine unkontrollierte Perforation, die sonst einen dauerhaften Defekt und eine chronische Entzündung zur Folge haben könnte. Komplikationen sind bei einem sachgemäßen Eingriff selten und beinhalten Blutungen oder Infektionen.

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