Die Jarisch-Gerxheimer-Reaktion (nach den Namen der österreichischen und deutschen Dermatologen, die das Phänomen beschrieben) ist eine vorübergehende systemische Immunreaktion des Körpers, die sich in den ersten 24 Stunden nach Beginn einer spezifischen Antibiotikatherapie bei Spirochäteninfektionen (Syphilis, Borreliose, Leptospirose) entwickelt.
Die Pathogenese der Reaktion ist nicht allergisch (es handelt sich nicht um eine Anaphylaxie auf Penicillin). Der Zustand wird durch eine schnelle Bakteriolyse (Zerstörung) der Spirochäten unter der Wirkung des Antibiotikums verursacht. Wenn die Bakterien massenhaft absterben, werden Endotoxine, Lipoproteine und DNA-Fragmente auf einmal in den Blutkreislauf freigesetzt. Dies löst eine systemische Immunreaktion aus – einen „Zytokinsturm“ mit einem starken Anstieg des Tumornekrosefaktors (TNF-α), der Interleukine IL-6 und IL-8.
Das klinische Bild entwickelt sich 2-8 Stunden nach der ersten Injektion und ähnelt einem grippeähnlichen Syndrom: plötzlicher Schüttelfrost, Anstieg der Körpertemperatur auf 39-40°C, Kopfschmerzen, Myalgie, Tachykardie und vorübergehende Hypotonie. Bei der Syphilis kommt es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung (Aufhellung, Schwellung) der Hautausschläge und einer verstärkten Infiltration im Bereich der primären Schanker oder der syphilitischen Vaginitis. Dieser Zustand verschwindet innerhalb eines Tages von selbst und dient als indirekte Bestätigung für die Wirksamkeit der Therapie.
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