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Tympanoplastik

Auch bekannt als: Hörverbessernde Mittelohroperation

Die Tympanoplastik (von griechisch týmpanon „Pauke“ und plastikē „chirurgische Wiederherstellung“) ist die allgemeine Bezeichnung für eine Gruppe rekonstruktiver mikrochirurgischer Eingriffe am Mittelohr. Diese Eingriffe verfolgen zwei wesentliche Ziele: die Beseitigung des chronischen Infektionsprozesses und die Wiederherstellung bzw. Verbesserung des Schallleitungsmechanismus zur Rehabilitation des Gehörs.

Der Eingriff dient der Rekonstruktion des Trommelfells und/oder der Gehörknöchelchenkette. Die Tympanoplastik ist das wichtigste chirurgische Verfahren zur Behandlung von Patienten mit chronischer Otitis media, Cholesteatom und Folgen von Ohrverletzungen.

Ziele und Aufgaben

Je nach Art und Ausbreitung des pathologischen Prozesses kann die Tympanoplastik mehrere wichtige Schritte umfassen.

  1. Sanierende Maßnahmen am Mittelohr: der wichtigste Schritt, vor allem bei eitriger Otitis und Cholesteatomen. Es erfolgt eine vollständige Entfernung des pathologischen Gewebes (Cholesteatom, Granulationen, Polypen, infizierte Schleimhaut). Ziel ist es, ein trockenes, gesundes Ohr mit intakter Epidermis zu schaffen.
  2. Myringoplastik (Verschluss des Trommelfells): Wiederherstellung der Trommellfellintegrität. Dazu wird ein körpereigenes Transplantat verwendet (meistens Temporalisfaszie oder Perichondrium der Ohrmuschel). Der Verschluss der Perforation schützt das Mittelohr vor Infektionen und schafft Voraussetzungen für eine Hörverbesserung.
  3. Ossikoplastik (Wiederherstellung der Gehörknöchelchenkette): Rekonstruktion einer zerstörten oder unbeweglichen Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboss, Steigbügel). Zur Wiederherstellung der Übertragung von Schallschwingungen vom Trommelfell zum Innenohr können sowohl körpereigene Materialien (Knorpel, Knochenfragmente) als auch spezielle Prothesen eingesetzt werden.

Einteilung (nach Wullstein)

Traditionell wird zur Beschreibung der Prinzipien der Rekonstruktion des Schallleitungsapparats die von H. Wullstein vorgeschlagene Klassifizierung verwendet.

  • Typ I (Myringoplastik): der Defekt besteht nur im Trommelfell selbst. Die Gehörknöchelchenkette ist intakt und beweglich.
  • Typ II: der Hammergriff (Manubrium mallei) ist zerstört. Das Transplantat wird auf den Amboss bzw. die Hammerreste platziert.
  • Typ III: der Hammer und der Amboss fehlen, aber der Steigbügel ist erhalten und beweglich. Das Transplantat wird direkt auf den Steigbügelkopf gelegt und schafft so einen direkten Weg für die Schallübertragung („Columellaeffekt“).
  • Typ IV: nur die bewegliche Stapesfußplatte ist vorhanden. Zur Schallprotektion des runden Fensters wird eine kleine Paukenhöhle gebildet, während das ovale Fenster für Schallwellen offen bleibt.
  • Typ V: die Stapesfußplatte ist unbeweglich. In der Wand des Labyrinths (im horizontalen Bogengang (Canalis semicircularis lateralis)) wird ein neues Fenster geschaffen, eine „Fenestration” (heutzutage praktisch nicht mehr verwendet).

Die moderne Chirurgie nutzt flexible Ansätze und kombiniert oft verschiedene Verfahren, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Klinische Anwendung

Die Tympanoplastik ist die wichtigste Behandlungsmethode bei chronischer eitriger Otitis media. Der Umfang und die Art der Operation werden anhand der Befunde der Otomikroskopie, Audiometrie und insbesondere des Schläfenbein-CT bestimmt, die eine Beurteilung des Ausmaßes des Prozesses und des Zustands der Knochenstrukturen ermöglichen. Bei Vorliegen eines Cholesteatoms erfolgt die Tympanoplastik fast immer in Kombination mit einer Mastoidektomie (sanierende Operation am Warzenfortsatz). Obwohl die Sanierung des Infektionsherdes oberste Priorität hat, ist das funktionelle Ergebnis (Verbesserung des Hörvermögens) das zweitwichtigste Ziel, das die Lebensqualität des Patienten nach der Operation maßgeblich bestimmt.

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